SAVE THE SHARKS!
Eine Ausstellung zur Rettung der Meere

15.08.2009 – 19.09.2009

Gesammelte Spenden für Seashepherd am Ende der Ausstellung:

1.306,--€

Danke an alle die sich beteiligt haben!

FB69 kämpft weiter für die Haie - und es kann auch weiter per Kunstkauf gespendet werden! Und zwar hier: FB69 Shark Page!

25 Künstler zeigen jeweils eine Arbeit zum Thema.
Bis zu 50% der Erlöse werden für den Schutz der Haie gespendet.

 Haie leben seit 450 Millionen Jahren auf unserem Planeten, sie existierten schon, als die Dinosaurier noch über die Erde spazierten. Sie sind die Spitze der Nahrungskette der Meere und somit wichtigster Bestandteil des gesamten Ökosystems Meer. Der Mensch hat es in 20-30 Jahren geschafft ca. 90% der Haipopulation zu vernichten, als Beifang, für Haifischflossen oder einfach weil der Hai immer noch als gefährliches Raubtier gilt. Zwischen 150 und 220 Millionen (!) Haie werden jedes Jahr getötet. Die Ausrottung der Haie ist die grösste sich abzeichnende ökologische Katastrophe welcher der Mensch sich gegenübersieht. Allein, der Hai hat keine Lobby und daher ist dieses Problem noch nicht in unserem Bewußtsein angekommen. Stirbt der Hai, stirbt das Meer. Stirbt das Meer (als grösster Sauerstoffproduzent), stirbt der Mensch. Die Rettung der Haie ist ein entscheidender Schritt zur Rettung dieses Planeten.


Presse zu "SAVE THE SHARKS!"

WN 19.08.2009    
MZ 19.09.2009    
WN 07.08.2009    


SAMSTAG 15.08.
um 12.30 UHR - Eröffnung/ Opening

DONNERSTAG, 20.08. um 20.30 UHR – Vorführung „SHARKWATER“ (2007)

SAMSTAG, 05.09. um 16.00 - 24.00 UHR - Nacht der Museen

DONNERSTAG, 17.09. um 19.30 UHR - Vortrag von Jupp Baron Kerckerink zur Borg

SAMSTAG, 19.09. ab 18.00 UHR – FINISSAGE


Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und ein Plakat.

Das Plakat kann für 5,--€, der Katalog für 10,--€ bestellt werden.

Der Film "Sharkwater" kann ebenfalls in der Galerie erworben werden (12.95 €).


Schaut diese Filme / See these movies:

THE END OF THE LINE
THE COVE
SHARKWATER


Bis zu 50% der Einnahmen aus den Verkäufen der Ausstellung
werden an die Organisation
Sea Shepherd gespendet .





Teilnehmende Künstler:

Dorothee Bachem, Anna-Maria Bogner, Lorenzo De Liguoro, Jojo Ensslin, Katrin Gassmann, Toni Gross, Regina Hadraba, Jens Harder, Kristian von Hornsleth, Yaroslav Kurbanov, Marcel Krummrich, Alejandra Lunik, Robert Nippoldt, Julia Nissen, Manuel Rodriguez, Andre Rösler, Tina Schulte, Anna Chevelenko, Slava Shevelenko, Sabine Sinner, Karin Szèkessy, Iv Toshain, Ferdinand Uptmoor, Antje Vogel, Marta Volkowa, Carsten Weitzmann


Bilder der Ausstellung folgen.





Shark Angels - on Shark Finning from Shark Angels on Vimeo.

 
Das Meer und die Haie brauchen unsere Hilfe!

Eigentlich habe ich ein Problem mit Charity Veranstaltungen. Es ist oft schwer zu beurteilen, was für Motive dahinter stehen, wo geht das Geld hin, wer verdient daran. Ähnliche Probleme hat allerdings auch der Künstler, der politische Kunst macht. Trotzdem muß sie gemacht werden, finde ich. Ob solch eine Arbeit funktioniert, weiß man meist vorher nicht. Ich muß als Künstler ein Risiko eingehen, aber in erster Linie ehrliche, ambitioniert Motive haben. Ich muß wütend sein – und traurig.

Ich bin wütend und traurig – und es ist mir egal was andere sagen, ich möchte etwas tun um meinem Lieblingstier, dem Hai, zu helfen. Die Welt kann man nicht auf einmal retten, man muß irgendwo anfangen.

Bevor ich mich im Beruf des Galeristen wiedergefunden habe, verbrachte ich meine Zeit neben dem Studium mit dem Schreiben von Fabeln und Märchen – die Welt der Tiere lag mir von jeher am Herzen, besonders die Unterwasserwelt. Häufigster Protagonist dieser Fabeln war – der Hai. Der Hai ist für mich sind das elegantesten Tier der Welt, ich finde ihn gar niedlich! Der Hai ist ein Räuber, natürlich – so etwas bringt die harte Arbeit an der Spitze der Nahrungskette mit sich.

Sein Image wird ihm jedoch nicht gerecht – kommen Menschen durch den Hai zu Schaden, haben sie sich womöglich vorsätzlich als Robbe getarnt oder mit gefangenen, zappelnden Fischen eingekleidet. Haie mögen keine Menschen. Essen, wohlgemerkt.


Anna Chevelenko

Als nun mein lieber Freund Jupp seine Leidenschaft für das Tauchen und im Besonderen für die Haie entdeckte, reifte der Gedanke in mir etwas zu ihrem Schutz zu unternehmen. Der Film „Sharkwater“ tat sein übriges – ich will nun nicht mehr nur wütend sein und traurig, darüber das die Menschheit sinnlos diesen Planeten zerstört  - ich will etwas dagegen tun.

Bis zu 200 Millionen Haie werden jedes Jahr von Menschen getötet, als Beifang, für ihre Flossen, für ihre Zähne. Für Unsinn. Ich glaube fest daran, das mit dem Ende der Haie auch das Ende der Menschheit bevorsteht, denn ohne seinen König wird das Meer nicht überleben können. Ohne das Meer, stirbt auch der Mensch. Ein schwacher Trost, das der räuberische Mensch seiner eigenen Abschaffung näher kommt indem er den Hai ausrottet.

Also mache ich eine Ausstellung über- und zum Schutz der Haie. Dies ist ein Projekt nur für sie – nicht über Umwegen für den Menschen. Der muß sich indes selber retten.

Mit dem Kauf eines Werkes aus der Ausstellung unterstützen Sie die Organisation Seashepherd von Captain Paul Watson. Ein Mann, der zwar auf medienwirksame, aber eben auch radikale Art und Weise, für die Haie, für die Wale, für die Meere kämpft.

Kolja Steinrötter, Münster, August 2009


Slava Shevelenko
"Adventures in a museum"


„Das Verschwinden von Haien wird ein starkes Ungleichgewicht im Ökosystem der Ozeane einleiten, das einen grossen Einfluss auf die Struktur der Nahrungskette haben wird. Es wird andere Fische und Meeresbewohner geben, was ohne Zweifel unsere Fischereien und Meeresressourcen sehr empfindlich treffen wird. Daher müssen wir um einen gesunden Planeten kämpfen. Das Verschwinden der Haie wird aber nicht bedeuten, dass das Leben auf der Erde verschwindet. Das Leben wird sich erholen, nur wird die Phase der Erholung zwischen 500.000 und 1 Million Jahre in Anspruch nehmen, und der Mensch wird dann nicht mehr existieren. Das Leben hat sich auch von dem Asteroiden, der die Dinosaurier getötet hat erholt, aber die Dinosaurier waren nicht mehr da, um es zu erleben.

Und so wird es sein wenn die Haie ausgerottet sind: Das Ökosystem, das uns am Leben hält, wird mit ihnen verschwinden und damit die gesamte Menschheit. Das sollte Grund genug sein, für die Haie zu kämpfen. Es wird zwar die Sauerstoffproduktion nicht gänzlich unterbrochen sein, und anderes Leben wird sich entwickeln. Das Auslöschen der Menschheit bedeutet nicht gleichzeitig die Auslöschung von Leben. Wir sind nicht Gott.“

Dr. Gilles Cuny (Natural History Museum in Dänemark)




Kristian von Hornsleth
"I will come back and kill you"

Wenn der Hai stirbt, stirbt auch der Mensch

Es gibt kein anderes Lebewesen im Meer, das sich mit solcher Eleganz bewegt wie der Hai. Jede seiner Bewegungen ist kraftvoll, dynamisch und edel. Seit mehr als 400 Millionen Jahren sind Haie die unangefochtenen Herrscher über die Weltmeere. Sie waren bereits 130 Millionen Jahre alt, als die ersten Dinosaurier anfingen, die Welt zu bevölkern.

Zu einer Zeit, als Pazifik und Atlantik, Afrika und Europa noch nicht existierten, gab es nur einen einzigen, gewaltigen Ozean, das Urmeer „Panthalassa“. Dieses existierte vor weit ueber 400 Millionen Jahren und in dessen Mitte befand sich eine riesige Landmasse „Pangaea“ genannt. Die Landmasse teilte sich in zwei Teile auf, „Laurasia“ im Norden und „Gondwanaland“ im Süden, die später weiter auseinander brachen und sich in die uns heute bekannten Kontinente verwandelten. 

Vieles ist seitdem geschehen. Gewaltige Naturereignisse erschütterten die Welt. Die Dinosaurier entstanden und starben wieder aus, mächtige Meteoriteneinschläge und Vulkanausbrüche veränderten auf drastische Weise das Klima der Erde bis die Ozeane so entstanden wie wir sie heute kennen. Keines dieser gewaltigen Ereignisse, nicht einmal die 5 Perioden des Artenschwunds (Aussterben der Rassen),  aber konnte den Hai aus den Weltmeeren verbannen.

Was also kein noch so dramatisches Naturereignis vermochte, wird jetzt von den Menschen auf brutale Weise realisiert. Der Mensch, wohl das gnadenloseste aller Raubtiere, ist dabei, den Hai auszurotten. Ungefähr 100 Millionen Haie werden jedes Jahr auf meist bestialische Weise abgeschlachtet. Man schneidet ihnen bei lebendigem Leibe die Flossen ab und wirft die lebenden Haie dann wieder ins Meer zurück, wo sie einen qualvollen Erstickungs- und Hungertod erleiden müssen. Das majestätischste aller Meerestiere auf diese Weise verstümmelt und dem Tod ausgeliefert zu sehen, ist ein Anblick, den man nie vergisst. Wo aber bleiben die Schreie der Empörung? Würden kleine Rehkitzchen derart grausam behandelt, wären sie lauter. Denn im Gegensatz zu anderen gefährdeten Tieren wie z.B. Walen, Delphinen, Tigern, Eisbären oder Pandas, hat der Hai keine große Lobby. Der Hai hat ein massives Imageproblem – aber auch das Meer als ganzes scheint den Menschen zu abstrakt in seiner Größe und scheinbaren Unendlichkeit, auch wenn der freundliche Delphin oder der liebenswerte Wal noch als Poster im WWF Heft Platz findet.


Anna-Maria Bogner

Den Hai aber sehen die meisten Menschen als Menschenkiller, als gehirnlose Fressmaschine. Klar ist: Haie können aus Versehen auch Menschen töten. Das es häufig Surfer oder Sportfischer trifft ist indes kein Zufall. Der Hai kann im ersten Fall einen Surfer mit einer Robbe verwechseln, im zweiten durch zappelnde, sterbende Fische an der Harpunenleine des Sportfischers zu einem Biss verleitet werden. Das Haie wissentlich Menschen angreifen, scheint aus heutiger Sicht nicht der Fall zu sein. Außerdem sterben für jeden Menschen, der von einem Hai getötet wird, ca. 15 Millionen Haie durch unsere Hand. Statistisch gesehen gitb es weltweit pro Jahr im Durchschnitt 50 bis 70 Haiunfälle, von denen im Höchstfall 10 Prozent tödlich ausgehen. Verglichen mit den Milliarden Menschen, die jährlich im Meer eben nicht nur baden, spielen sondern auch surfen, tauchen und sportfischen, lohnt es nicht diese Unfälle in statistischen Zahlen auszudrücken.

Warum also scheint der Hass vieler Menschen auf den Hai so groß? Wieso wird nichts getan, um sein Aussterben zu verhindern? Ein Teil der Schuld trifft die Medien, die oft reißerisch über den Menschenfresser der Meere berichten, da Horrorgeschichten mit Haien sich (spätestens seit „Jaws“) einfach gut verkaufen. In diesem Fall ist der Presse häufig und einmal mehr die Wahrheit nicht so wichtig wie Auflagen oder Einschaltquoten.

Dazu gilt Haiflossensuppe als besondere Delikatesse in vielen asiatischen Ländern, vor allem in China. Für die Chinesen ist Haiflossensuppe gar traditionelles Hochzeitsmahl, im Glauben, die Suppe sei ein starkes Potenzmittel. Für eine Hochzeit wohlhabender Chinesen müssen durchschnittlich 30 bis 40 Haie sterben.


Marcel Krummrich

Der Hai steht an der Spitze der Nahrungskette. Aus diesem Grund hat die Natur es eingerichtet, daß sie erst spät geschlechtsreif werden und sich somit sehr langsam vermehren. Daher reagieren auf Überfischen viel empfindlicher als z.B. Knochenfische oder andere Meeresbewohner, die sich meist sehr viel schneller vermehren können. So werden bis zum Jahr 2020 voraussichtlich 100 der 500 bekanntesten Haiarten ausgestorben sein - wenn sich nicht jetzt sofort etwas ändert! Der Weisse Hai gilt schon heute bei vielen namhaften Wissenschaftlern als nicht mehr zu retten. Er sei theoretisch biologisch bereits ausgestorben denn er kann sich nicht halb so schnell vermehren wie er derzeit vernichtet wird.

Davon abgesehen ist das Fleisch des Hais alles andere als gesund. Es enthält extrem hohe Mengen von Methylquecksilber. Methylquecksilber greift das zentrale Nervensystem an, schädigt das Gehirn, die Nieren und  andere Organe. Es ist eines der schlimmsten Gifte, das wir unserem Körper zumuten können.

Es scheint, bei allem was wir heute wissen, utopisch zu glauben, die Menschheit würde ihr Verhalten ändern, bevor die passende Katastrophe vor der alle warnen, tatsächlich eingetreten ist. Trotzdem - welche Folgen würde es für die Natur, die Menschheit haben, wenn die Haie ausgerottet werden? Jedes Schulkind weiß wie wichtig die Rettung des tropischen Regenwaldes ist, denn er wird als „Lunge der Welt“ bezeichnet. Der Regenwald produziert gewaltige Massen an Sauerstoff, aber immer noch nicht einmal 20 % unseres gesamten Sauerstoffbedarfs. Der Großteil, 70 %, entsteht durch das Phytoplankton der Meere, das seinerseits die Nahrungsgrundlage für das Zooplankton ist, der Basis der Nahrungskette im Meer. An der Spitze dieser Nahrungskette steht der Hai. Er ist somit der wichtigste Kontrollfaktor für das gesamte biologische Gleichgewicht des Meeres. Wenn der Hai, als der wichtigste Regulator des Ökosystems Meer, ausgerottet wird, kann es durchaus in sich zusammenbrechen. Meeresbiologen nehmen schon heute besorgt einen drastischen Rückgang des Phytoplanktons wahr, was man indirekt auf das Verschwinden vieler Haiarten zurückführen kann.

Das Schicksal der Menschheit ist untrennbar mit dem der Haie verbunden. Stirbt der Hai, dann sterben die Meere, sterben die Meere, dann stirbt der Mensch.

Die Menschheit muß ihre Einstellung zu den Haien, zur Natur drastisch ändern. Haie sind weder Mörder noch Bestien, sie sondern wunderschöne Raubtiere, die das biologische Gleichgewicht in dem überaus komplizierten Ökosystem der Meere erhalten. Sie sind für das Überleben der Meere unendlich wichtig. Wir Menschen wissen noch immer verschwindend wenig über Haie, oder über die Meere als ganzes.

Wenn grosse Fischereibetriebe mit „Long Lines“, also Angelschnueren von bis zu 70 Kilometern Laenge, mit Tausenden von geköderten Haken die Meere ausrauben; wenn sie aus Profitgier alles umbringen was an den vielen Haken hängt, dann ist es an der Zeit etwas zu unternehmen. Nur 10 % vom gesamten Fang wird verwertet. 90% der getöteten Meerestiere, u.a. Schildkröten, Delphine, Haie, Seevögel usw., werden nicht gebraucht und wieder ins Meer geworfen. Wissenschaftler haben errechnet, dass auf diese Weise pro Jahr etwa 50 Milliarden Pfund (!) von Meerestieren vollkommen umsonst sterben müssen.


Auch aus diesem Grund haben kürzlich 1000 Wissenschaftler aus aller Welt in einem Brief an die UNO die Befürchtung ausgedrückt, daß es im Jahre 2050 keine kommerzielle Fischerei mehr geben wird, einfach weil die Ozeane dann komplett leer gefischt sind.

Diese Aussichten sind beängstigend und es ist höchste Zeit, etwas zu tun.


Jupp Baron Kerckerinck zur Borg




Ihr könnt SHARKWATER jeden Tag während der Ausstellung
in der Galerie anschauen. Der Film kann auch in der Galerie erworben
werden.



Links zu mehr Hai-Informationen

Shark Angels
Shark Research Institute
Sea Shepherd
SHARKWATER
Sharkprotect.com
Save Our Seas Foundation
Shark Savers



Jojo Ensslin


KAWARIKI UND DER HAIMENSCH  // NEUSEELAND

Tutira kam aus einer Familie, die von einem nahe der Küste lebenden Stamm verschleppt und versklavt wurde. Schon als Kind arbeitete er im Garten des Rangatira (Häuptling) und spielte mit dessen Kindern. Er war aber immer traurig und neidisch, wenn sie ihn im Garten zurück ließen um zu zukünftigen Stammesführern ausgebildet zu werden.

Die Jahre verstrichen und aus Tutira wurde ein junger Mann. Er lernte Kawariki, die Tochter eines mächtigen Tohunga (Meister), der Matakite genannt wurde, kennen. Und sie verliebten sich ineinander.

Eines Tages verkündete Matakite, dass er eine Hochzeit für Kawariki mit einem Häuptling eines anderen Stammes arrangiert habe, um die Allianzen zu sichern und die Blutsverbindungen beider Stämme zu stärken. Von diesem Tag an verbot er seiner Tochter Tutira zu treffen und mit ihm zu sprechen. Aber Kawariki war eine willensstarke junge Frau, die ihren eigenen Kopf besaß. Sie ließ Tutira Nachrichten zukommen und sie trafen sich häufig des Nachts in den Hügeln an einem ruhigen Platz. Sie lagen die Nächte lang auf ihren Rücken, betrachteten die Sterne und redeten über ihre Träume.

Als die Hochzeitsvorbereitungen begannen weigerte Kawariki sich zu kooperieren und rief, dass sie niemals jemanden heiraten werde, den sie nicht lieben würde. Matakite wurde misstrauisch und beschloss ein besonders wachsames Auge auf seine Tochter zu werfen. Eines Nachts, als sich Kawariki auf die Hügel schlich, folgte er ihr heimlich.

Als er die beiden Liebenden erwischte, sprach er zornig einen mächtigen Zauber. Kawariki schrie vor Entsetzen, als Tutira wie vom Schlag getroffen zu Boden viel. Er wand sich am Boden, seine Haut verfärbte sich Grau und dunkel und er nahm die Form eines Fisches an, der schließlich ins Unterholz rutschte und verschwand. Kawariki beschwor ihren Vater, den Fluch wieder umzukehren, doch Matakite ignorierte sie und verschwand in der Nacht.

Verzweifelt begann sie Tutira, oder was aus ihm geworden war, zu suchen, doch ohne Erfolg. In ihrer Not bat sie Tāne Mahuta*, den Herrn des Waldes und der Vögel um Hilfe. Tāne Mahuta schickte ihr eine Vision, wo sie Tutira finden könne. Sie suchte Ihn und kämpfte sich durch das Dickicht, bis sie endlich den Körper eines großen, sterbenden Hais fand. Seine Augen waren glasig und seine Kiemen bewegten sich schwach.

Sie ergriff den Fisch bei seiner Schwanzflosse und machte sich daran, ihn durch den Wald zur Küste zu ziehen. Tāne Mahuta half ihr erneut, indem er ihr einen Pfad durch den Wald schlug. Es war bereits kurz vor Sonnenuntergang, als sie ihn schließlich in das flache Meereswasser zog. Seine Augen waren trüb und starrten leblos, sein Körper hing schlaff in ihren Armen. Sie weinte bitterlich und klagte ihr Leid über die Ungerechtigkeit und den Verlust ihres Liebsten. Ihre salzigen Tränen rollten über ihre Wangen und fielen auf den Kopf des Hais.

Hinemoana, Atua (Geist) des Ozeans hörte die Verzweiflung in Kawarikis Gesang und wurde von Ihrer Trauer ergriffen. Hinemoana startete einen mächtigen Oriori und schickte diesen auf einer Welle zu Kawarika, ihre Tränen mit Zauberkraft füllend. Wie diese Tränen nun auf den Haifisch fielen, begann der große, graue Fisch sich wieder zu regen.

Erst langsam, dann immer mehr, kehrte das Leben in Tutiras Haifischkörper zurück und er wand sich im flachen Wasser. Kawariki ließ ihn los und er schwamm ruhig in tieferes Wasser. Kurz bevor er ganz von den Fluten bedeckt wurde, drehte Tutira sich noch einmal zu Kawariki um und sagte mit einer rauen Stimme: „Wenn der Neumond aufgeht, warte hier an dieser Stelle. Ich werde zu Dir zurück kommen.“ Dann wandte er sich ab und verschwand im dunklen Wasser.

Matakite verfügte, dass Kawariki im Sommer verheiratet werden solle. Ihr zukünftiger Mann und viele andere seines Stammes würden in einem Waka (Boot oder Kanu) kommen und viele Geschenke und Speisen bringen um dieses besondere Ereignis zu feiern. Matakite und der Rest des Stammes arbeiteten hart daran, alles für das Hui (Fest) vorzubereiten.

Als der Neumond aufstieg wartete Kawariki am Meeresufer und hielt Ausschau nach ihrem Liebsten. Sie erwartete eine Rückenflosse zu erblicken, die durch die Wellen auf sie zu schwimmen würde. Aber Tutira kam hinter Felsen hervor, sein Körper hatte wieder die Gestalt eines Mannes angenommen. Sie blieben die ganze Nacht zusammen. Als der Morgen graute wollte Tutira wieder zurück in die Fluten steigen, doch Kawariki wollte ihn nicht gehen lassen. Tutira führte sie ins flache Wasser und erklärte ihr, dass die Tränen, die sie auf ihn fallen ließ, von Hinemoana mit Zauberkraft gefüllt wurden, die ihm Leben schenkten und ihm ermöglichten bei Neumond wieder die Gestalt eines Menschen anzunehmen. Die einzige Bedingung war, dass er vor Sonnenaufgang wieder ins Meer zurückkehren müsse. Die ersten Strahlen des neuen Tages ließen Tutiras Haut grau werden und er verwandelte sich wieder in einen Haifisch. Zum Abschied gelobten sie, sich beim nächsten Neumond wieder zu treffen. Dann schlug er mit der Schwanzflosse und verschwand in den Tiefen des Ozeans und in die Welt der Fische und anderer Seekreaturen, die vor ihm flüchteten.

An jedem Neumond trafen sich Kawariki und Tutira an der Küste und bestärkten ihre Liebe zueinander. Doch als die geplante Hochzeit näher rückte musste Kawariki Tutira von ihrem Schicksal erzählen. Er sah, dass er machtlos war auf Kawarikis Leben Einfluss zu nehmen. Mit großer Trauer kehrte er in seine Meereswelt zurück, wissend, dass er Kawariki nie wieder sehen würde.

Als der Tag der Hochzeit schließlich anbrach wurde sie zum Strand gebracht und der ganze Stamm folgte um die Gäste zu begrüßen. Es war ein schöner Tag, das Meer lag ruhig, ein perfekter Tag um mit dem Waka zu reisen. Als das Waka des Nachbarstamms am Horizont zu sehen war und auf die Versammlung zusteuerte, stellte sich der Tohunga Matakite auf den Strand und sprach eine mächtige Beschwörung um das Waka sicher zu ihnen an Ufer zu führen.

Aber Hinemoana war sehr böse auf Matakite, sie erinnerte sich daran, dass er die Zauberkräfte des Meeres ohne Erlaubnis benutzt hatte, als er den Fluch über Tutira sprach. Sie lehnte Matakites Wunsch für eine sichere Überfahrt ab und schickte stattdessen eine mächtige Welle, die vom Ozean heranrollte. Die Welle brachte das Waka zum kentern und die gesamte Besatzung war gezwungen sich hilflos an die Reling des umgestürzten Kanus zu klammern.

Tutira, der die Küste patroullierte, schwamm herbei um die Ertrinkenden zu retten. Mit seiner Rückenflosse hakte er sich unter das umgestürzte Waka und es gelang ihm, die gesamte Gesellschaft ans rettende Ufer zu ziehen. Kawarikis Stamm starrte ungläubig auf das Geschehen und begriff, dass es ein Hai war, der die Gäste vor dem Tod bewahrte. Matakite, der Tohunga, wurde ganz still. Sein Zauber hatte versagt und er war von Scham überwältigt.

Kawariki sprang ins Wasser und zur Überraschung aller umarmte sie den Hai. Sie versammelten sich um sie, und sie erklärte ihnen, dass der Hai Tutira sei, dass ihr Vater ihn in einen Hai verwandelt hatte und dass sie ihn über alles lieben würde.

Beide Stämme lauschten mit Erstaunen. Tutira schlug mit seiner Schwanzflosse und wollte in die Fluten zurückkehren, doch Matakite erhob seine Arme und bat ihn zu bleiben. Als erstes würdigte er seiner großen Vorfahrin Hinemoana und dankte ihrer Weisheit und ihrer Lektion. Er sei blind durch seine eigenen Bestrebungen gewesen und hätte Kawarikis Rechte als Rangatira missachtet selbst für sich entscheiden zu können. Er bat Hinemoana erneut um Zauberkräfte um den Fluch von Tutira nehmen zu können. Sogleich verwandelte sich der Körper des Haifisches zurück in einen Menschen. Tutira lag im flachen Wasser, und sein brauner Körper trug das Moko (Tätowierung) eines dunkelroten Haifisches, welches ihn als einen Rangatira des Meeres auszeichnete. Das war ein Geschenk Hinemoanas.

Nachdem beide Stämme diesem Schauspiel beigewohnt hatten, wussten sie, dass die Götter eine Verbindung zwischen Kawariki und Tutira bevorzugen würden. Die Hochzeitspläne wurden geändert, und die Vermählung wurde mit einem Tage andauernden Fest gefeiert.

In den folgenden Jahren wurden Kawariki und Tutira zu geschätzten Führern, und man hatte großen Respekt  vor ihren Verbindungen zu Tāne Mahuta und Hinemoana.

 

*Tāne Mahuta ist ein Kauri-Baum aus der Familie der Araukariengewächse. Er zählt zu den größten heute noch lebenden Bäumen und ist der größte bekannte Kauri-Baum. Seine Stammlänge beträgt 51,5 m. Sein Umfang in Bodennähe beträgt 13,77 m, was einem Durchmesser von fast 4,5 m entspricht. Erst in 18 m Höhe weist der Baum Äste auf [1].

Der mit Epiphyten reich bewachsene Tāne Mahuta befindet sich im Waipoua Forest in der Region Northland, Neuseeland. Der Name stammt aus der Sprache der Māori: der Baum ist nach dem gleichnamigen Gott des Waldes Tāne Mahuta benannt. Sein Alter liegt vermutlich zwischen 1250 und 2500 Jahren.

 

Eine alte neuseeländische Sage, nacherzählt von Jojo Ensslin












 


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